| Die Frage "Was ist eine Tüte Milch?" ist einfach zu beantworten. "Was ist ein Stuhl?" schaffen ebenfalls die meisten. Aber bei der Frage "Was ist Sounddesign?" wird’s schlagartig kompliziert. Zwar gibt es eine ganze Jury beim ADC, die sich sehr ernsthaft und leidenschaftlich damit befasst, gutes Sounddesign vom schlechten zu unterscheiden, Metall von Müll zu trennen und dann das beste, das herausragende, das wirklich grandiose Sounddesign zu prämieren. Allerdings beginnt auch in so einer Experten-Jury die Diskussion bereits, bevor überhaupt das erste Sound-Schnippselchen gehört wird. Nämlich bei der Frage: "Was ist’n das jetzt genau?" Das führt dann schnell dazu, dass jedes Jury-Mitglied bei den eingesandten Wettbewerbs-Beiträgen auf unterschiedliche Dinge achtet. Im Zweifel nicht nur auf den Sound.
Dabei ist es gar nicht so schwer. Theoretisch definiert sich Sounddesign nämlich so:
"Sounddesign" steht in der Regel beim Film / Werbespot für die Gestaltung der gesamten Tonspur. Dazu gehören die drei klassischen Ebenen Sprache, Musik und Geräusche.
Diese differenzieren sich aber im modernen Sounddesign weitestgehend aus, so dass es mittlerweile für jede einzelne Sparte spezialisierte Sound-Designer gibt."
Aha. Achso. Das hilft ja. Da weiss man ja gleich Bescheid. Nähern wir uns der Definition mal praktisch. Das geht in der Tat ganz leicht. Indem man sich mal kurz den BMW Motorsport-Spot "Pole" zu Gemüte führt. Das Ding wurde von Jung von Matt konzipiert und von Bauhouse Berlin umgesetzt. Nach knapp fünf Minuten hat man sofort verstanden, was perfektes Sounddesign ist, und was es mit Bildern anzustellen vermag. Folgerichtig gabs für diesen Film auch in der Kategorie Sounddesign eine Medaille: Silber. Ich hätte Gold gegeben.
Schade nur, dass bei der Verleihung des Preises am Abend die eigentlichen Macher dieses Spots nicht auf der Bühne waren: Die Sound-Designer. Denn ohne die wäre dieser Film schlicht niemals ausgezeichnet worden.
In Zukunft würde ich gern in dieser Kategorie nicht nur die Agentur-Kreativen auf der Bühne sehen – sondern ebenfalls die Soundmacher. Denn hier geht’s ausschließlich um die akustische Umsetzung einer Idee. Und ohne die gäbe es auch für die Agentur keinen Ruhm, keine Ehre, keine Nägel und keine Rankingpunkte. Und das wäre wohl kein wirklicher "Wohlklang" in den Ohren der meisten Kreativen.
Torsten Hennings
ADC Jury-Mitglied |