Seien
wir mal ehrlich, viele, die in diesem Jahr zu den ADC-Awards
nach Berlin fuhren, hegten folgenden Gedanken: die Preisverleihung
durchhalten und bei der Party durchstarten. Oder um es
auf den Punkt zu bringen: Die ADC-Preiszeremonie hatte
noch nie den Ruf, eine kurzweilige oder gar pfiffige Veranstaltung
zu sein.
Das sollte sich in diesem Jahr
ändern. Das Tempodrom, in diesem Jahr erstmals Austragungsstätte
der ADC-Awards und mit rund 2000 Gästen gut gefüllt,
bot einen gelungenen Rahmen für Verleihung und Party
gleichermaßen. Und das neue "Duo-Konzept"
- zwei Menschen, die beruflich miteinander verbunden sind,
vergeben die Nägel gemeinsam, und jeder achtet darauf
, dass der andere nicht länger redet als er selbst
- sorgte genauso für eine zügige Preisvergabe
wie die Tatsache, dass mehrfach ausgezeichnete Werke nur
noch einmal präsentiert wurden.
Über die Verleihung wachte der allgegenwärtige
Carsten Heintzsch. In seiner Zusatzfunktion als oberster
Zeitnehmer musste er sich im Laufe des Abends nur einmal
ärgern, als ausgerechnet der ADC-Vorstandssprecher
Sebastian Turner bei seiner Rede kein Ende fand. Nach
langem Anlauf gelang Turner dann allerdings ein überaus
prägnanter Abgang mit der Empfehlung: "Denken
Sie an Ihre Mutter und machen Sie ordentliche Werbung."
(Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass
auch das neue ADC-Ehrenmitglied Robert Gernhardt sich
in der Dankesrede nicht kürzer fasste, aber sprach,
als ob er pro Silbe bezahlt würde).
Viel geredet, und zwar äußerst kontrovers,
wurde auch in den Jurys. Zu kritisch sei beurteilt worden,
klagten nach der Verleihung einige Mitglieder. Kreative
konnten dem nur beipflichten. Weder Gold noch Silber,
lediglich viermal Bronze gab es in diesem Jahr für
die eingesandten Funkspots (siehe dazu den Artikel von
Klaus Funk).
Und auch in anderen Kategorien schienen sich die ADC-Juroren
durch den eigenen Kriterienkatalog bei der Vergabe von
Edelmetall selbst auszubremsen.
So möchte man den Mitgliedern des ADC am liebsten
Folgendes mit auf den Weg geben: "Denken Sie an Ihre
Mutter und loben Sie lieber einmal zuviel."