"Oh, das tut mir aber leid“"

Es geht ja schon vor Cannes los, wenn die Kollegen viel Spaß wünschen und dem sogleich entgegnet wird, dass es hier nicht um Spaß geht, sondern um Job. Es heißt ja auch nicht "ich darf nach Cannes", sondern "ich muss nach Cannes".

Wie wahr - und wie schwer es erst nach der Rückkehr zu erklären ist, wie hart es wieder war. Da ist einem jedes Mittel recht. Die Antwort auf "Wie war's" wird mit einem leidenden Gesicht begleitet: "Ganz schön anstrengend und der Flug... ne Katastrophe".

Gut so, hiermit ist der Leidensweg eines gar anstrengenden Events eingeläutet. Ein Taschentuch zur Hand zu nehmen wäre an dieser Stelle noch verfrüht und würde die Dramaturgie wohl in Frage stellen. Vielleicht später – denn kaum ist die erste Frage gekonnt beantwortet, folgen schon die nächsten Angriffe: "Siehst aber erholt aus und hast auch etwas Farbe bekommen".

Höre ich da Zweifel an der zuvor mitgeteilten Anstrengung? "Ja ich hab's heute morgen im Spiegel gesehen und muss dringend zum Hautarzt. Das war höchst ungesund in der Sonne".

"Und die Parties?" Jetzt habe ich aber die Nase voll! Will das eigentlich keiner verstehen? Die Parties waren laut, gehörvernichtend, beklemmend,... "Du hast ja neue Schuhe!? Warst Du shoppen?" - "Shoppen!?? Von einem Event zum Nächsten. Die Sohlen waren durch" - "Und das hier? Sind das alles Bewirtungsquittungen?"

Das Verhör nimmt einen dramatischen Verlauf und der Inhalt wird langsam mit Lautstärke verstärkt. Es kollabiert mit "Du hast 'ne Fahne?!?" – "DAS IST HUSTENSAFT!!! Wärme, Klimaanlagen, Wind, Schweiß. Jetzt geschickt einen Hustenanfall inszenieren und damit die aggressive Stimmung runter kochen. Im besten Fall, auch als kleiner Beweis schauspielerischer Leistung, erklingt jetzt ein "Das hört sich aber nicht gut an".

Dann hat man es vorerst geschafft. Jetzt noch Fotos aussortieren, heißt, nicht wie zuhause die Hässlichen raus – nein rein! Damit sich im nächsten Jahr eine Frage gar nicht erst stellt - "darf ich" oder "muss ich nach Cannes?".

Leiden auf hohem Niveau.

Und nun viel Spaß mit unserer neuen Ausgabe des Funkturms.


Markus Weber

 



Unruhe um Happy Birthday


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